Prosit im Walzertakt

Wenn's Orchester sich einstimmt, die Blumerl ihre Kopferl in die Kamera recken und die prositbeglückte Festgesellschaft die Beine übereinanderschlägt, ist's wieder mal soweit: Das Neujahrskonzert erstrahlt in den Fernsehern der Nation – samt werbetauglicher Abziehbilder der Heimat. Unser Land also von den schönsten Seiten, im blauesten Donaublau freilich und auch heimelig geschlingelt, besonders in Schlögel. Da marschiert auch schon die Blaskapelle mit feschem Führer, die Marketenderinnen zackig hintendrein, in Wollstrümpfen, wie sie die Oma schon trug. Da ist die Bundeshauptstadt, im versisselten Gagerlgelb und nirgendwo taubenvergackt, dafür finanzkräftig herausgeputzt, mit Innenstadtausblick. Nichts Prekäres auf den Plätzen, nur satter Wohlstand.

Und da sind auch schon die Alpen, ihre Gipfel zuckerbestäubt und vom Skiballett umwedelt, im Walzertakt, 1-2-3-1-2-3! Das liebe Land voll beschwingter Leut, harmonisch, beständig und vom Pistenzauber beschwippst! Dazu wird leicht in die Knie gegangen, in ästhetischer Rückenlage, aber ja nicht zu viel, sonst dreht's einen grauslig womöglich den Steilhang runter und was macht das für ein Bild! Also besser ein Lächeln im Pulverschnee, wie herrlich – wenn’s nur irgendwann aufhören könnt... Denn wenn einem das staatliche Fernsehen einen wirklichkeitsfernen Staat andichtet, wächst der Wunsch nach einem realen Perspektivenwechsel. Wie wär's mal mit einem kontrapunktischen Neujahrskonzert ohne Weichfilter, dafür mit mehr Tiefenschärfe?

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