Vom Land vor den Alpen

Sie sind mir nie abgegangen. Denn sie waren immer da. Die Berge. Von meinem Heimatort aus gesehen kroch hinter ihnen die Sonne hervor. Und am sanften Rücken gegenüber legte sie sich abends schlafen. So war ich gebettet zwischen Wald und Hügel im weit auslaufenden Tal, seit meiner Kindheit. Nach hinten ging's ins Alpenmassiv, meist zum Skifahren, nach vorn in das, was man Stadt nannte, und das war Linz. Das Vorland dort war ein fruchtbarer Boden, auch familiär. Die Häuser sprossen, die Kinder waren geglückt, freilich nicht überall, doch hatte man's meist mit gesunden Gemeinden zu tun. Das sagte auch die Wirtschaft. Das sagte auch die Politik.

Dann aber war es an der Zeit und ich ging weg. Ich beschaute die Berge nur mehr im Fernsehen. Drin, im Bild vom alten Daheim, sprach wieder die Wirtschaft, sprach wieder die Politik, nun allerdings in fremden Sätzen. Die Worte fielen aus dem Mund, wie Klumpen aus Lehm. Ein durchackertes Feld, Silbe für Silbe aufgewühlt, rausgehoben, bloßgestellt. Der eigene Dialekt wurde zum verletzlichen Ding, von außen gehört, war widersprüchlich, unverständlich, mangelhaft. Und plötzlich ging was ab. Also fuhr ich zurück, kam wieder heim, schlug alte Zelte auf und überlege nun, ein Haus zu bauen... Aus Nostalgie? Aus Angst? Aus Überzeugung? Ich fürchte, es wäre aus Unsicherheit. Denn aufzuwachen und zu wissen, da stehen die Berge, da erhebt sich die Sonne, da weiß ich, wie das Leben läuft – das ist einem erschreckend lieber, als neue Wege abzustecken!

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