05.09.16: Heimat ist das Ablegen der eigenen Begrenztheit. Die dann eintritt, wenn du bei dir sein kannst: bei mir ist das der andere Mensch, der mich erst zu mir macht, der Raum, der entsteht, in der Annahme des Anderen. Es ist der Schwindel, die Angst vor dem Fall. Das Springen, das Abheben. Der gemeinsame Flug über vermeintliche Verankerungen, Gefängnisse hinweg. Das Anschnallen, wenn alles bebt. Der Zuspruch: wir schaffen das. Der Blick hinunter, auf Länder, deren Grenzen dann lächerlich erscheinen. 



"Ich hatte, so schien es, eine Neigung in mir, ich kippte nach rechts . . ."

 

Mein Erzählung Als ich mich im Mürztal übergab, die ich am 27.08.16 in meinem Heimatort Schlierbach am Fußballplatz vorgetragen habe, ist hier erstmals nachzulesen:

 

"Ich erinnere mich an den Wind über der sogenannten Waldheimat. Die sogenannte Waldheimat ist jener Ort in der nordöstlichen Steiermark, wo sich dicht bewaldete Hügel entlang des Mürztals und seiner Seitentäler erstrecken und auf 1.150 Metern das Geburtshaus des sogenannten Heimatdichters Peter Rosegger steht, das heute ein Museum ist. Der sogenannte Heimatdichter Peter Rosegger kam dort, in der sogenannten Waldheimat, einem Bergbauernhof samt Stallungen und Weidehängen fürs Vieh, 1883 auf die Welt, die eine Welt des Bergbäuerlichen war, die aber auch stark im Umbruch war, denn man spricht von der Zeit einer Industrialisierung des Ländlichen, was der kleine Peter Rosegger als Zerfall von Tradition und Sicherheit erlebte. Während viele Bauern also ihre Höfe an Spekulanten verkauften und sich in die neue Welt des Industriellen begaben, also hinunterzogen ins Mürztal, wo sich in der Furche der Mürz und der Mur zuerst die Eisenbahn und dann die Stahlindustrie angesiedelt hatten, begann der kleine Peter Rosegger, der körperlich dem Industriellen nicht gewachsen zu sein schien und dem man seither eine Schmächtigkeit und Verletzlichkeit in die Biografie eingeschrieben hatte, über den Verlust dieser seiner Welt, von 1.150 Metern auf sie hinabblickend, zu schreiben..."

 

Weiterlesen in meiner Textsammlung

 

Jetzt in Graz: DIE NEIGUNG DES PETER ROSEGGER

 

Mitten im erneuten (Wahl)kampf um Österreich ist am Schauspielhaus Graz mein neues Stück zu sehen: eine politische Posse, eine böse Komödie, ein österreichisches Trauerspiel – wie auch immer. Es geht um eine Erschütterung!

 

Im Zentrum einer steirischen Kleinstadt steht plötzlich die Statue des "Heimatdichters" Peter Rosegger schief. Arg nach rechts gerückt. Oder, wie die Bürgermeisterin feststellt, nach links, wie man's eben betrachtet. Jedenfalls bricht der Boden auf. Die Folgen eines Erdbebens an der slowenischen Grenze, wie es heißt. Oder doch ein hausgemachtes Problem der eigenen Heimat? Die dramatische Schieflage ist jedenfalls der Beginn einer tragikomischen Geschichte über Identität, Patriotismus, Angst und Unruhe in einer Gemeinschaft. Und es geht schneller als einem lieb ist und die lokalpolitische Arena wird zum Schauplatz gesellschaftlicher Grabenkämpfe und zum Symbol tiefsitzender Verwundung. Nicht nur ein Stück über österreichische Literatur! Nicht nur ein Stück über Rechtspopulismus! Auch ein Stück über den Verlust von Vertrauen und Vernunft.

 

Premiere: 15. September 2016, Schauspielhaus Graz. Regie: Nina Gühlstorff / Bühne und Kostüm: Marouscha Levy / Musik: Marcus Christoph Weberhofer, Johannes Fruhwirth, Lea Geisberger / Licht: Viktor Fellegi / Dramaturgie: Elisabeth Geyer / Ensemble: Florian Köhler, Evamaria Salcher, Nico Link, Susanne Konstanze Weber, Franz Xaver Zach, Henriette Blumenau

 

Tickets und Infos unter

http://www.schauspielhaus-graz.com/play-detail/die-neigung-des-peter-rosegger

Ein Auszug. Immer wieder aktuell. Vollständig abgedruckt in FACETTEN 2012, Literarisches Jahrbuch der Stadt Linz.


03.10.16: JOHNNY BREITWIESER wieder in Graz

 

Nach der erfolgreichen Premiere im März 2016 bald wieder in der neuen Spielzeit am Schauspielhaus Graz zu sehen: Meine Verbrecherballade rund um den legendären Einbrecher Johann Breitwieser (1891-1919). Die Musik zum "räudigen Musical" (Falter), uraufgeführt erstmals am Schauspielhaus Wien 2014, stammt diesmal von der Berliner Liedermacherin Maike Rosa Vogel. Regie: Mathias Schönsee. Vorstellungen gibt's ab Oktober 2016!

 

Tickets und Infos unter www.schauspielhaus-graz.com/play-detail/johnny-breitwieser


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