Die Anschläge von nächster Woche

UA 2018, Theater Heidelberg


Szenenfoto Theater Heidelberg 2018, Martin Wißner u. Maria Magdalena Wardzinska (c) Sebastian Bühler

Schauspiel, Rowohlt Theaterverlag 2017 // uraufgeführt am 9. Februar 2018, Theater Heidelberg (Regie: Brit Bartkowiak), Schweizer Erstaufführung am 12. September 2019, Theater Sankt Gallen (Regie: Matthias Rippert)

Produktionsteam der Uraufführung // Regie: Brit Bartkowiak / Bühne und Kostüme: Nikolaus Frinke / Musik: Ingo Schröder / Dramaturgie: Jürgen Popig / Ensemble: Martin Wißner, Maria Magdalena Wardzinska, Hendrik Richter, Friedrich Witte, Dominik Lindhorst-Apfelthaler


Paris, Nizza, St. Petersburg, London, Brüssel, Berlin. Wann immer in den letzten Jahren der Terror in Europa wütete, war Armin Stummer vor Ort, eine Konstante. Erklären kann er sich das nicht. Auch nicht, als er in einer Silvesternacht von Ermittler Göttinger gestellt wird, der besessen davon ist, die Zusammenhänge zwischen den Anschlägen und der rätselhaften Reiseroute des Armin Stummer zu verstehen. Dieser scheint ganz harmlos: Als Monteur für Lichtinstallationen fährt er an der Seite des Künstlers André Tartini durch die Lande. Tartinis mystische Shows begeistern die Menschen, hier können sie all die Ängste, die ihren Alltag bestimmen, loslassen, Tartini sammelt sie, nimmt sie in sich auf und lässt daraus prächtige Paradiese der Angst sprießen, die aus dem Untergrund wachsen. Bis wieder etwas passiert… Thomas Arzt geht in seinem neuen Stück den grundlegenden Strukturen der Angst nach, die Gesellschaft und Individuen zersetzt. Sie wird zu einer fantastischen Wucht der Natur, die sogar Stahl zu sprengen vermag, und damit selbst zur Gefahr. Wo die Angst sich bündelt, schlägt der Hass zu. (Text: Rowohlt Theaterverlag)


Trailer (c) Theater Sankt Gallen 2019


„Dieser Blick, überlegen, lauernd, unheimlich – dass der Kerl im Seidenanzug beruflich irgendwas mit schwarzer Magie macht, glaubt man sofort. Tartini heißt der zwielichtige Zampano aus Thomas Arzts neuem Stück. Dominik Lindhorst-Apfelthaler spielt ihn in der Heidelberger Uraufführung mit einer Spur von Wahnsinn in den immer etwas zu weit geöffneten blauen Augen. Tartini beschwört in seinen obskuren Shows die tief verwurzelten Ängste des Publikums und er lässt daraus dunkelschillernde Blumen und Ranken wachsen.“ (Theater heute zur Uraufführung)

„Soziopsychologische Analysen auf der Theater-Couch sind Thomas Arzts Spezialität. Er will mit (scheinbar) realistischem Erzähltheater der Gegenwart auf die Schliche kommen. Sprachästhetisch ist der Autor ein Purist. Seine Sätze sind knappsten Zuschnitts, brechen oft mittendrin ab. Die Moral von der Geschicht': >German Angst< ist unser ständiger Begleiter, wächst exponentiell und hat überhaupt eine blühende Zukunft. Dieses Phänomen einer Angst, die sich stetig potenziert, als Angst vor der nächsten Angst, arbeiten das Stück von Thomas Arzt und die Inszenierung von Brit Bartkowiak mit viel Spektakel eindrucksvoll heraus.“ (Nachtkritik zur Uraufführung)

„Tartinis Maskenspiel sowie verbale Verdunklungsmomente zeigen, dass einen die Gefühle leicht in irrationale Sphären katapultieren können. Brit Bartkowiak unterstreicht diese Gefahr in ihrer Inszenierung mehr als deutlich. Sie schlittert souverän auf dem Glatteis der Andeutungen, die ihr der Text liefert. Gemeinsam mit dem Dramatiker und dem Ensemble betont sie außerdem, dass die Angst vor dem Terror, vor explodierenden Mieten oder vor dem Sozialabbau den Rechtspopulisten in die Hände spielt – sprich jenen Leuten, die mit lautstarkem Alarmismus nach „Ordnung! Ruhe! Heimat!“ verlangen. Ein Stück zur rechten Zeit im doppelten Wortsinne.“ (Die Deutsche Bühne zur Uraufführung)

„Das Team um Regisseur Matthias Rippert hat ein Bühnenbild entworfen, das den Theaterraum zum Kino werden lässt. Videoszenen, grossformatig an die aus Lamellen-Storen bestehenden Wände projiziert, vermischen sich mit dem realen Spiel. Diese Effekte bringen Dynamik und verstärken das Verwirrspiel. Nichts ist mehr so, wie es scheint. Selbst die Verfassungsschützerin steht vor Rätseln – trotz all der Bilder von zahllosen Überwachungskameras. Sogar der Chef der staatlichen Terrorabwehr gerät unter Verschwörungs-Verdacht. Ein Anschlag liegt spürbar in der Luft. Wer dafür verantwortlich ist, bleibt im Dunkeln. (...) Das Publikum nahm die Premiere begeistert auf.“ (Aargauer Zeitung zur Schweizer Erstaufführung)

„Schwarzweiss und schmutziges Grün prägen die Film-noir-Atmosphäre. Kommissarin Göttinger, von Anja Tobler schneidend gespielt, trägt Hut und ermittelt mit schummrigen Fotos. Das schwarze Wandtelefon schellt nostalgisch, es wird geraucht, was das Zeug hält. Die 50er-Jahr-Ästhetik passt zum kriminalistisch raffinierten Plot, aber ist ein kruder Anachronismus zum Terror der jüngsten Zeit. In dem Maß, wie sich das Netz der Angst zuschnürt, wie Tartini seine schmierigen Fäden auslegt und sich auch Eva unvermeidlich hineinverstrickt, werden die Anschläge individualisiert und damit entpolitisiert. Bataclan, Promenade des Anglais, Charlie Hebdo, Maelbeek, Saint-Denis, Breitscheidplatz – die Orte des Grauens der Jahre 2015 und 2016 sind nur Staffage für ein psychologisch ausgefeiltes Kammerdrama.“ (Saiten zur Schweizer Erstaufführung)


Szenenfoto Theater Heidelberg 2018, Maria Magdalena Wardzinska u. Hendrik Richter (c) Sebastian Bühler

Szenenfoto Theater Heidelberg 2018, Hendrik Richter (c) Sebastian Bühler

Szenenfoto Theater Heidelberg 2018, Dominik Lindhorst-Apfelthaler (c) Sebastian Bühler

Szenenfoto Theater Sankt Gallen 2019, Christian Hettkamp, Oliver Losehand u. Anja Tobler (c) Iko Freese


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