Johnny Breitwieser. Eine Verbrecherballade

UA 2014, Schauspielhaus Wien


Szenenfoto Schauspielhaus Wien 2014, Martin Vischer u. Thiemo Strutzenberger (c) Robert Polster
Szenenfoto Schauspielhaus Wien 2014, Martin Vischer u. Thiemo Strutzenberger (c) Robert Polster

Schauspiel mit 11 Liedern, Rowohlt Theaterverlag 2014 // uraufgeführt am 28. November 2014, Schauspielhaus Wien (Regie: Alexander Charim), deutsche Erstaufführung am 2. September 2018, Theater Gießen (Regie: Malte C. Lachmann)

Produktionsteam der Uraufführung // Regie: Alexander Charim / Komposition: Jherek Bischoff / Dramaturgie: Laura Berman / Bühne und Kostüme: Ivan Bazar / Musiker: Ensemble Lux & Mathias Koch / Ensemble: Franziska Hackl, Katja Jung, Nicola Kirsch, Florian von Manteuffel, Gideon Maoz, Thiemo Strutzenberger, Martin Vischer


Die «Dreigroschenoper» trifft «Cabaret» trifft «Liliom». «Johnny Breitwieser» liegt eine reale Biografie zugrunde: 1891 wird Johann Breitwieser in der Wiener Vorstadt in miserable Verhältnisse geboren. Früh wird der Kleinkriminelle zum «Meidlinger Einbrecherkönig», der den Reichen nimmt und den Armen gibt. Mehrmals entkommt er scheinbar mühelos aus polizeilichem Gewahrsam und operiert erfolgreich aus dem Untergrund. 1919 wird er von der Polizei erschossen und vom Volk zum Märtyrer erkoren. Thomas Arzt übersetzt die rasante Verbrechervita in eine Ballade von der Rebellion gegen die Ver­­elendung in politisch prekären Zeiten. Dieser Verbrecher spürt sehr genau den bevorstehenden gesellschaftlichen Wandel und scheint gleichzeitig von der Ausweglosigkeit seiner eigenen Situation selbst nach dem Ausbruch aus dem Gefängnis überzeugt. Sein Handeln hat vor dem Hintergrund der Vergeblichkeit etwas Überhöhtes, und sein Scheitern wird zur modernen Parabel vom Kampf gegen die Verhältnisse. (Text: Rowohlt Theaterverlag)


Für das Stück mit 11 Liedern hat der US-amerikanische Komponist Jherek Bischoff eine melancholisch-orchestrale Musik komponiert, mit Streichquartett und Percussion als Live-Elementen.

«Johnny stahl die Herzen» (c) Musik: Jherek Bischoff, Gesang: Meow Meow, Text: Thomas Arzt


Trailer (c) Schauspielhaus Wien 2014


„Thomas Arzt und Musiker Jherek Bischoff legen ein an Brecht geschultes Meisterstück vor. Alexander Charim hinterlegt eine Inszenierung, die sich naturalistischem Sozialkitsch entzieht, die stattdessen die Vehemenz ihrer Behauptungen auf einer abstrakteren Ebene durchspielt, gebildet aus Klang und Tragödie, aus Coolness und wässrigen Augen. Sprich: Das Spiel aus Fleisch und Blut und die Abstraktion durch den Gesang wachsen auf wundersame Weise ineinander. Eine dicke Spur aus Wut und Mut, aus großzügiger Liebe und Traurigkeit zieht Martin Vischer als Johnny Breitwieser durch den fast dreistündigen, durchgehend anrührenden Abend. Der junge Schauspieler beleuchtet seine Wiener Heldenfigur mit dem Glamour, der märtyrerischen Klassenkämpfern anhaftet. Franziska Hackl zeigt eine vielschichtige Anne, seine Braut; Thiemo Strutzenberger einen unheimlichen Bruder; Katja Jung eine verhärtete Geliebte; und Florian von Manteuffel formt schwungvoll das Profil der Sieger: der Polizeigewalt. Ein toller Abend, ein kleiner Meteor am Wiener Theaterhimmel.“ (DER STANDARD zur Uraufführung)

„Thomas Arzt hat aus Johnnys Leben eine Verbrecher-Ballade gemacht, die Züge einer Moritat trägt und von Ferne an Brechts «Dreigroschenoper» erinnert. Seine Verse aber haben kaum Refrains, und die meisten seiner Reime holpern und humpeln und hinken ähnlich wie sein Kunstdialekt, so dass so recht keine linke Sozialromantik aufkommen mag. (...) Tempo und Temperament sind gedrosselt, auch weil Arzt keine Action-Szenen geschrieben hat, wie es sich bei diesem Stoff leicht aufdrängen würde, weil er sich nicht interessiert hat für Schießereien, Überfälle, Gefängnisausbrüche, sondern vor allem für den lähmenden Stillstand dazwischen. Es geht ihm um den Kampf gegen die Verhältnisse.“ (SPIEGEL ONLINE zur Uraufführung)

„Stark betont hat Autor Arzt die Verbindung von Krieg und Karriere. Sie klingt mit in der harten, ruppigen Sprache, in deren Grundton natürlich auch jetzt in Gießen sehr viel Wien steckt, aber eben auch ein Destillat aus lyrisch verdichtetem Horváth – zumal das Stück ja angelegt ist als «räudiges Musical» mit Songs des Amerikaners Jherek Bischoff. Ganz leicht mag das nach «Dreigroschenoper» klingen – aber wirklich nur an der Oberfläche. In der grob behauenen Poesie von Thomas Arzt funkelt keinerlei Dreigroschen-Romantik. Regisseur Malte C. Lachmann sucht den härteren Kern der Arzt-Fabel; und das Ensemble findet ihn mit ihm in der Trümmerwelt, die Udo Herbster auf die Drehbühne gewuchtet hat: als wären Stücke der eingerissenen Berliner Mauer übereinander geschichtet. (...) In dieser Szenerie inszeniert Lachmann kompakt, konzentriert und schnell; und zu den haltbaren Eindrücken gehören die Choreographien von Tiago Manquinho – mit kleinen expressiven Verrenkungen, durchaus passend zum Arzt-Ton, werden zu Beginn alle Profile markiert; und rudimentär bleiben diese Zuckungen bei jedem und jeder präsent, oft im Moment der Verletzung. Das Ensemble überzeugt fast durchweg sehr, in Spiel und Gesang – wie gut es doch immer wieder tut, auch in kleineren Häusern so viel Kompetenz und Phantasie versammelt zu sehen!“ (NACHTKRITIK zur Deutschen Erstaufführung)


Szenenfoto Schauspielhaus Wien 2014, Gideon Maoz, Nicola Kirsch, Florian von Manteuffel, Martin Vischer, Franziska Hackl, Katja Jung u. Thiemo Strutzenberger (c) Robert Polster
Szenenfoto Schauspielhaus Wien 2014, Gideon Maoz, Nicola Kirsch, Florian von Manteuffel, Martin Vischer, Franziska Hackl, Katja Jung u. Thiemo Strutzenberger (c) Robert Polster
Szenenfoto Schauspielhaus Graz 2016, Florian Köhler u. Julia Franz Richter (c) Lupi Spuma
Szenenfoto Schauspielhaus Graz 2016, Florian Köhler u. Julia Franz Richter (c) Lupi Spuma
Szenenfoto Theater Gießen 2018, Anne-Elise Minetti, Stephan Hirschpointner, David Moorbach, Lukas Goldbach, Paula Schrötter u. Tom Wild, (c) Rolf K. Wegst
Szenenfoto Theater Gießen 2018, Anne-Elise Minetti, Stephan Hirschpointner, David Moorbach, Lukas Goldbach, Paula Schrötter u. Tom Wild, (c) Rolf K. Wegst

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