Grillenparz

UA 2011, Schauspielhaus Wien


Szenenfoto Schauspielhaus Wien 2011 (Regie: Nora Schlocker), Franziska Hackl u. Vincent Glander (c) Alexi Pelekanos

Schauspiel, Rowohlt Theaterverlag 2010 // uraufgeführt am 14. April 2011, Schauspielhaus Wien (Regie: Nora Schlocker), deutsche Erstaufführung am 4. Oktober 2014, Theater Ingolstadt (Regie: Alexander Nerlich), tschechische Erstaufführung am 26. Juni 2011, Divadlo Komedie, Prag (Regie: Martina Schlegelová), ukrainische Erstaufführung am 12. Dezember 2019, Theater Koleso, Kiew (Regie: Iryna Klishchevska) // übersetzt auf Englisch („Chirping Hill“ von Neil Blackadder), Tschechisch („Cvrch“ von Markéta Babkova) Litauisch („Svirpliu kalva“ von Jurgita Mikutyte) sowie auf Ukrainisch („та Хор цвіркунів“ von Ivan Megela)

Produktionsteam der Uraufführung // Regie: Nora Schlocker / Bühne: Jessica Rockstroh / Kostüme: Marie Roth / Musik: Hannes Marek / Ensemble: Vincent Glander, Veronika Glatzner, Franziska Hackl, Barbara Horvath, Max Mayer, Thiemo Strutzenberger


Am Grillenparz, dem Hügel, der direkt an die Stadt grenzt, versammelt sich jährlich die Belegschaft der ortsansässigen Firma - zu einem archaischen Spiel? Zu einem nächtlichen Ritual? Zu einer besoffenen Sauerei? Jedenfalls geht es derb zu bei dem Versuch, an den Busen der Natur zurückzukehren bzw. der eigenen Natur freien Lauf zu lassen. Vorab muss noch das jährliche Betriebsfest, eine anheimelnde Kulisse für die Investorenträume der aus dem Ausland angereisten Geschäftspartner, absolviert werden. Doch vor allem treibt die Sommerfestgesellschaft der Wiederholung ihres eigenen Verbrechens zu. Was eigentlich genau vor einem Jahr geschah, verschwimmt mit dem diesjährigen Rausch zu einem undurchschaubaren Reigen und ist dennoch so real, dass niemand darüber reden will. Alle wollen ihm entfliehen. Und jeder würde es wieder tun. Zu alldem singt der Chor der Grillen von den ewigen Dingen des Lebens, von viel Gewalt und tröstlicherweise auch von Vergebung. (Text: Rowohlt Theaterverlag)


Trailer (c) Schauspielhaus Wien 2011


„Der junge Autor Thomas Arzt wirft einen bitterbösen Blick auf das Hin- und Wegschauen, auf Machtstrukturen und Entgleisungen. Die junge, aus Tirol stammende Regisseurin Nora Schlocker verengt den Spielraum, rhythmisiert und stilisiert, dass es eine Freude ist, und holt mit einem famosen Ensemble den textlichen Aberwitz an die szenische Oberfläche.“ (Oberösterreichische Nachrichten zur Uraufführung)

„Nicht: Jeder mit Jedem, sondern: Jeder ist schuldig. Gespenstischerweise funktioniert das auf der Bühne wunderbar: In der Erinnerungssequenz an das Vorjahr, wenn die "unschuldige" Flora nach ihrer Vergewaltigung wortlos den Fischer ertränkt, hält eine Zuseherin bereitwillig den Kübel zur Veranschaulichung. Kaum zuvor hat sich angewandte Brutalität so zwingend auf die Bühne verirrt.“ (Nachtkritik zur Uraufführung)

„Die seltsamen Monologe des Jägers verstärken diesen Eindruck des Unheimlichen. Sie sind bizarr und poetisch, ein Kontrapunkt zu den lustigen und derben Gstanzln, mit denen das Quintett von Anfang bis Ende aufwartet. Sie evozieren das Grauen, das dann tatsächlich eintritt. Oder wird daran nur erinnert? Ertränken, erschießen, erschlagen gehören ebenfalls zum Repertoire dieses Anti-Idylls, das in kurzen Ansätzen, aber nicht zu aufdringlich, Ausland und Heimat, Kapital und Arbeit anklingen lässt.“ (Die Presse zur Uraufführung)

„Die Auseinandersetzung mit der Heimat ist eine zutiefst österreichische Thematik mit langer Tradition und beharrlicher Kontinuität, die Arzt aufnimmt und weiterführt. Im „Heimat“-Stück Grillenparz weisen neben (dialektalen) Liedern Volksstück-Elemente à la Anzengruber darauf hin, Stille-Momente und künstliche Dialoge deuten auf Horváth hin. Langer Applaus.“ (Der Standard zur Uraufführung)

„Ein bemerkenswerter Abend in einem Haus, das sich so keine andere Stadt leistet, und auf das sich Wien etwas zugutehalten kann. Ein Haus der neuen Dramatik.“ (Süddeutsche Zeitung zur Uraufführung)

„Alexander Nerlich inszeniert den Hügel als beängstigend finsteren Schicksalsort, an dem sich Vergangenheit und Gegenwart, Albtraum und Rausch vermischen. Bald ist nicht mehr festzustellen, wer sich mit wem und vor allem wann eingelassen hat. Was als harmlose Komödie mit Slapstick-Einlagen beginnt, schlägt plötzlich in eine Groteske mit Tiermasken um. Die dionysische Orgie bewegt sich irgendwo zwischen Walpurgisnacht und Maskenball und hält ihre Intensität bis zum blutigen Ende durch Das ›Sauf di’ ins Paradies‹ der Trinkgemeinde mischt sich mit brutalen Sex-Spielchen, die die tierische Seite der Menschen hervorkehren.“ (Süddeutsche Zeitung zur deutschen Erstaufführung)

„Etwas bricht ein. Die Wirklichkeit hat nur eine dünne Tragschicht. Was darunter liegt, kann Blutstrom sein, oder Lava. Auf jeden Fall ist es ein Rätsel, dem gegenüber Worte nutzlos sind. Was bleibt, ist höchstens hochpoetisches Gestammel angesichts von klaffender Ohnmacht und innerer Zerrüttung der eigenen Existenz, hat sich erst das Hintertürl zur animalischen Herkunft, zum wilden Automatismus des Stammhirns geöffnet.“ (Christian Muggenthaler zur deutschen Erstaufführung)


Szenenfoto Theater Ingolstadt 2014 (Regie: Alexander Nerlich), Anjo Czernich u. Leonie-Merlin Young 

Szenenfoto Theater Ingolstadt 2014 (Regie: Alexander Nerlich), Carolin Schär u. Wolfgang Menardi 

Trailer (c) Theater Ingolstadt 2014


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