Hollenstein, ein Heimatbild

UA 2020, Landestheater Vorarlberg


Szenenfoto Landestheater Vorarlberg 2020, Katrin Hauptmann u. Felix Defèr (c) Anja Köhler

Schauspiel, Felix Bloch Erben 2020 // uraufgeführt am 6. März 2020, Landestheater Vorarlberg // Produktionsteam der Uraufführung // Regie: Tobias Wellemeyer / Bühne und Kostüm: Ines Burisch / Musik: Jan Kersjes / Dramaturgie: Ralph Blase / Ensemble: Katrin Hauptmann, Felix Defèr, Maria Lisa Huber, Luzian Hirzel, Johanna Köster, Heide Capovilla, Christoph Hohmann


Stephanie Hollenstein (1886 – 1944) will malen und so zieht es sie hinaus in die Welt, fort aus dem Vorarlberger Heimatort Lustenau – in den sie immer wieder zurückkehren wird – hinein in ein Leben, das fasziniert und empört, begeistert und abstößt. Denn Hollenstein ist nicht nur eine ausnehmend begabte Künstlerin. Sie ist auch ein höchst eigenwilliger Mensch, dessen Biografie sich selbst heute kaum begreifen lässt. In München studiert sie Kunst und betreibt anschließend eine Malschule. Verkleidet als Mann zieht sie im Ersten Weltkrieg an die Front, bis man sie entdeckt. In Wien lebt sie wider alle Konventionen in Partnerschaft mit einer Frau, stellt ihre Werke aus, gewinnt Preise. Sie wird Mitbegründerin der Künstlerinnengruppe „Wiener Frauenkunst“, ist frühes Mitglied der NSDAP, und ab 1938 als Vorsitzende der „Vereinigung Bildender Künstlerinnen der Reichsgaue Ostmark“ Funktionärin unter der nationalsozialistischen Regierung. Wie soll man mit Werk und Biografie dieser Frau heute umgehen? Mit einer Biografie, die auch von bewundernswerter Stärke zeugt und von einem Willen zum Wagnis, den man jungen Frauen heute gerne als Modell mit auf den Weg geben würde, hätte er Hollenstein nicht so völlig in die Irre geführt? (Text: Landestheater Vorarlberg)


Szenenfoto Landestheater Vorarlberg 2020, Maria Lisa Huber, Katrin Hauptmann,
Johanna Köster u. Luzian Hirzel (c) Anja Köhler


„In ihrer Besessenheit ist die Hollenstein nie sympathisch, aber immer faszinierend. Das hinlänglich bekannte Phänomen des Genie(selbst)kults – hier wird es zur Abwechslung anhand einer Frau durchexerziert.“ (Nachtkritik zur Uraufführung)

„Die Inszenierung des literarisch brillanten Textes von Thomas Arzt hat den Mut, große Gefühle darzustellen.“ (Vorarlberger Kirchenblatt zur Uraufführung)

„Mit seiner verknappten Sprache schafft Arzt einen getriebenen und zugleich stockenden Duktus. Manche Sätze knallen wie Steine auf den Boden. Dann wieder lässt er Sprachlosigkeit greifbar werden. Regisseur Tobias Wellemeyer setzt die Vorlage pur und schnörkellos um. Er vertraut den Figuren und gibt vor allem Stephanie Hollenstein viel Raum, um sich ihr in all ihrer Widersprüchlichkeit zu nähern. Katrin Hauptmann spielt das mit Wucht und Zartheit, Klarheit und Besessenheit, sie ist das Zentrum des Abends.“ (Der Standard zur Uraufführung)


Szenenfoto Landestheater Vorarlberg 2020, Felix Defèr, Katrin Hauptmann,
Christoph Hohmann, Luzian Hirzel u. Maria Lisa Huber (c) Anja Köhler

Szenenfoto Landestheater Vorarlberg 2020, Katrin Hauptmann u. Heide Capovilla (c) Anja Köhler


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